Wahrnehmung von Pferden

Die Welt aus den Augen der Pferde

Um verstehen zu können, warum Pferde reagieren wie sie reagieren, ist es sehr hilfreich, zu verstehen, wie Pferde die Welt wahrnehmen. Denn daraus ergibt sich ganz automatisch ein Umgang, der dieser Weltsicht angepasst ist. Außerdem können viele Missverständnisse vermieden werden und der Mensch verdient sich in den Augen des Pferdes Respekt. 

1.) Visuelle Wahrnehmung von Pferden

Die Augen des Pferdes gehören zu den größten im Tierreich. Da diese zusätzlich seitlich am Kopf angeordnet sind, hat das Pferd nahezu eine Rundumsicht, und das ohne den Kopf drehen zu müssen. Lediglich ein kleiner Bereich direkt vor seinen Vorderfüßen und hinter sich sind "tote Winkel". (Das erklärt auch, warum Pferde erschrecken und ggf auch ausschlagen, wenn man sich direkt von hinten nähert bzw. warum Pferde bei hoher Kopfhaltung und unebenem Boden manchmal stolpern.)

Der eben beschrieben Weitwinkelblick des Pferdes geht allerdings auf Kosten des räumlichen Sehens. Denn der hierfür zuständige Bereich ihres Sehfeldes, welcher durch beide Augen abgedeckt wird (binokulares Gesichtsfeld) ist relativ klein (60 bis 70°; beim Menschen 120°). So können Pferde Entfernungen schlechter abschätzen als wir.

Dass Pferde auf dem Rückweg vor einem Gegenstand scheuen, den sie bereits auf dem Hinweg gesehen haben, scheint nicht daran zu liegen, dass die beiden Augen nicht so gut miteinander verknüpft sind, sondern eher damit, dass Pferde gedrehte Gegenstände schlechter wiedererkennen können. Es ist darum beim Reiten immer wichtig, dem Pferd genug Bewegungsfreiheit des Kopfes zu lassen, damit es sich Gegenstände von beiden Seiten aus gut ansehen kann, und beim Springen, um den Bereich direkt vor sich überhaupt sehen zu können. 

In Sachen Sehschärfe ist das Pferd schlechter ausgerüstet als wir. Kleinste Bewegungen kann es allerdings besser wahrnehmen. Darüber hinaus ist das Pferd weitsichtig, das heißt in der Ferne kann es besser sehen als Dinge in der Nähe. 

Die Lichtempfindlichkeit der Pferdeaugen ist um ein vielfaches größer als bei unseren. (In freier Natur sind Pferde auch nachts aktiv und haben ein gutes Dämmerungssehen.) 

Was das Farbsehen angeht, streiten sich die Wissenschaftler, mikroskopische Untersuchungen der Retina weisen aber darauf hin, dass Pferde besonders gut Gelb und Blau sehen können. 

 

2.) Akustische Wahrnehmung von Pferden

Pferde und Menschen hören relativ ähnlich was die Frequenzen angeht. Nur kann das Pferd höhere Frequenzen besser wahrnehmen (55 Hz bis 38 kHz; Das Pferd kann Töne im Ultraschallbereich wahrnehmen) - der Mensch tiefere. Durch die großen trichterförmigen Ohren, kann das Pferd Geräusche allerdings besser lokalisieren und wesentlich mehr Geräusche auffangen. Untersuchungen ergaben, dass Wallache besser hören können als Stuten. 

Um Dinge wahrzunehmen, die weit weg sind, nutzt das Pferd mehr die Ohren als die Augen. 

 

3.) Olfaktorische Wahrnehmung (Geruchsinn)

Pferde haben einen wesentlich besseren Geruchssinn als wir Menschen und kann wahrscheinlich auch zur Fernorientierung genutzt werden: so scheinen Pferde z.B. Feuchtigkeit über weite Strecken wittern zu können. Pferde erkennen andere Lebewesen auch am Geruch und für die Bindung zwischen Stute und Fohlen spielt der Geruchsinn eine große Rolle. 

Was wir Menschen nicht haben, die Pferde allerdings schon, ist das "vomeronasale Organ", welches beim Flehmen aktiviert wird und Pheromone aufnehmen kann, die wir überhaupt nicht wahrnehmen können. Pheromone sind Botenstoffe, die der Kommunikation untereinander dienen und z.B. Auskunft darüber geben, in welchem Stadium sich der Zyklus einer Stute befindet. 

 

4.) Der Tastsinn der Pferde

Pferde können sehr feine Berührungen wahrnehmen und haben einen teilweise sehr sensiblen Tastsinn, besonders an Maul Nüstern und Augen. Hier befinden sich auch längere Tasthaare, die der Wahrnehmung dienen. Pferden aus ästhetischen Gründen diese Tasthaare abzuschneiden kommt einer Verstümmelung ihrer Wahrnehmung gleich. 

 

5.) Der Orientierungssinn der Pferde

Pferde haben einen sehr guten Orientierungssinn. Um wieder nach Hause zu finden, orientieren sie sich an landschaftlichen Besonderheiten, an bereits ausgetretenen Pfaden und am Geruch. Möglicherweise ist hier auch die Wahrnehmung von Ultraschall hilfreich. 

 

6) Die Intuition / Das Gespür

Pferde sind sehr gefühlsbetonte Wesen - vielleicht ist das einer der Gründe, warum sich oftmals besonders Frauen Pferden nah fühlen? ;) Ich meine damit aber mehr als Stimmungen. Ich meine damit, ein Gefühl für eine Situation, ein Lebewesen zu haben. Zu wissen, wie man sich verhalten muss, was man tun muss, noch bevor die Situation wirklich da ist. Zu wissen, wer da vor einem steht, egal wie gut er oder sie täuschen kann. 

Wildpferdebeobachtungen haben gezeigt, dass Pferde die Anwesenheit von Raubtieren spüren können, noch bevor eines Ihrer Sinne Wind davon bekommen hat. Wie das geht? Keine Ahnung. Aber wir müssen und können auch nicht alles wissen. Wichtig ist nur, dass Pferde dieses Gespür haben. Auch wir Menschen haben es. Als Kind. Oder wenn wir als Erwachsene unseren Geist, unsere Psyche und unsere Seele geschult haben. Wer es auf dem Weg verloren hat, (wie die meisten aller Erwachsenen in der westlichen Welt) kann von seinem Pferd lernen, wie das geht. 

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