Die Persönlichkeit erkennen

Wer ist mein Pferd eigentlich?

Je besser Sie verstehen, warum Ihr Pferd tut, was es tut, umso adäquater können Sie reagieren. Je besser Sie Ihr Pferd kennen, desto tiefer wird die Bindung zwischen Ihnen, das Vertrauen auf beiden Seiten und die Harmonie. Verständnis im Sinne von „verstehen“ ist also einer der elementaren Schlüssel auf dem Weg zu einer besseren Beziehung zu Ihrem Pferd. 

Hierzu müssen Sie als erstes Ihren Vierbeiner als Pferd verstehen. Als Flucht- und Beutetier, als Steppenbewohner, als Herdenmitglied, in seiner Geschlechterrolle und mit seinen naturgegebenen Instinkten und Wahrnehmungsfähigkeiten. 

Der nächste Schritt ist das Verständnis der Rasse Ihres Pferdes. Viele Rassen haben bestimmte ausgeprägte Charaktereigenschaften, die zu beachten sind. So sind z.B. bestimmte Ponyrassen besonders nervenstark und dickköpfig, während manche Pferderassen zu unnatürlich überschießenden Panikreaktionen neigen, während andere wiederum phlegmatisch sind.

Und dann kommen wir über Art und Rasse zum Individuum. Was für ein Charakter hat Ihr Pferd?

Um herauszufinden, wer Ihr Pferd eigentlich ist, (und zwar ohne rosarote Brille oder Vorurteile), ist es hilfreich sich viele andere Pferde anzusehen. Denn manchmal wird erst im Vergleich klar, welchen Charakterzug wir vor uns haben, vor allem, wenn wir unser Pferd als eine Art „Normal-Typ“ betrachten. 

Um Ihnen eine Grundlage zur Analyse Ihres Pferdes zu geben, habe ich das Myers-Briggs-Typenmodell für Menschen etwas abgewandelt und vereinfacht:

Pferde-Persönlichkeitstypen:

Motivation

extrovertiert

Ein extrovertiertes Pferd ist kontaktfreudig und an vielen Dingen interessiert. Es ist sehr offen und neugierig, verliert aber auch schnell das Interesse bzw. ist leicht ablenkbar. Dieses Pferd sprudelt über vor Kommunikation, zeigt allen sofort, wie es drauf ist, und auch sehr deutlich, wenn es Schmerzen hat. 

introvertiert 

Ein introvertiertes Pferd ist mehr in sich gekehrt, kann intensiver wahrnehmen und sich besser konzentrieren. Es wird aber auch eher Schwierigkeiten mit sich ausmachen und z.B. Schmerzen viel später zeigen als es gut für es ist. Und es ist in der Regel deutlich ängstlicher. (Intelligente Pferde sind meist ängstlicher als nicht ganz so intelligente). 


Aufmerksamkeit

 

intuitiv

Das Pferd ist fähig das große Ganze zu betrachten und ganzheitliche Probleme zu lösen. Diese Pferde kommen seltener vor und sind meisten in der Herde die ranghöheren Mitglieder, da sie über sich selbst hinaus sehen und das Wohl der Herde betrachten können.

sensorisch Das Pferd konzentriert sich mehr auf Kleinigkeiten, das Detail, und kann dabei größere Zusammenhänge übersehen. Dieses Pferd kommt relativ häufig vor. Es befindet sich in der mittleren bis unteren Stufe der Rangordnung, denn es ist sehr gut darin, eine spezielle Aufgabe zu erfüllen, kann aber schwer über sich und seine eigene Aufgabe hinaus sehen. 


Entscheidung

"sachlich" Natürlich können wir bei Pferden nicht von "rational" sprechen. Dennoch gibt es Pferde, die ihre Entscheidung im Sinne eines übergeordneten Nutzens entscheiden, als Beispiel: In einem Konflikt könnte es auf seinem Standpunkt beharren, es könnte aber auch den Kontrahenten für seine Sache einspannen oder so lange geduldig warten, bis seine Chance gekommen ist. 
"emotional" Pferde sind sehr emotionale Wesen. Das gilt also für alle. Aber während die einen strategisch und trickreich zu Werk gehen, würde dieses Pferd immer offenen seine Emotionen zeigen und z.B. seinen Konkurrenten immer wieder zu verstehen geben, dass es ihn nicht mag - auch wenn das einem anderen Nutzen im Weg stehen würde. 
Lebensstil

wahrnehmend Dieses Pferd ist sehr flexibel in seinen Reaktionen. Es ist offen für alles, was es wahr nimmt und kann seine Entscheidungen jederzeit ändern und anpassen. Diese Pferde lernen schneller bzw. zeigen uns schneller veränderte Reaktionen, die wir bestärken können. Dafür sind sie auch sprunghafter und unentschlossener. 
urteilend Dieses Pferd entscheidet sich schneller für eine Reaktion und bleibt dann auch dabei. Es lässt sich nur sehr schwer von einem einmal gefällten Urteil abbringen. Wir Menschen würden ein solches Verhalten z.B. als "nachtragend" oder "stur" bezeichnen. 

 

Unterschied männlich weiblich:

Weiterhin unterscheidet sich der Charakter eines Pferdes zusätzlich wesentlich durch sein Geschlecht. Stuten haben sich nach M.A. Simonds noch mehr "Wildpferdegene erhalten" als ihre männlichen Artgenossen. Das erklärt ihre von uns Menschen gern abwertend als "zickig" bezeichnete Art, die in Wahrheit einfach nur das Wildpferd in ihnen zeigt. Im Gegensatz dazu vergessen Wallache manchmal fast komplett, dass sie eigentlich ein Pferd sind. Das liegt daran, dass Pferdeherden von weiblichen Tieren geführt werden. Führung und auch und vor allem Lehre liegen also in der Hand der Stuten. Je isolierter ein männliches Tier aufwächst, desto weniger Sozialkompetenz und auch Überlebenskompetenz kann es erlernen. Dies kann später zu großen Problemen führen, wenn der Hengst doch kastriert wird, und mit anderen Pferden auf eine Weide gestellt wird. Der Wallach weiß die natürlichen Signale der anderen Pferde nicht zu deuten und so kann es zu schwerwiegenden Konflikten mit enormem Verletzungspotential kommen.

 

Unterschied "Kinderstube":

Wie ein Fohlen aufwächst trägt elementar dazu bei, was für ein Pferd aus ihm wird. Wie oben schon beschrieben: Je weniger und je früher ein Fohlen von Gleichaltrigen und vor allem älteren Stuten getrennt wird, desto schlechter ist es sozialisiert und desto weniger ist es fähig, Regeln und Grenzen zu erkennen und einzuhalten. Darum werden Hengste, die allein aufgewachsen sind und allein leben mussten, später oftmals zu "Verbrechern". Ein Fohlen, dass das große und seltene Glück hat im Herdenverband nicht nur aufzuwachsen sondern auch so lange zu verbleiben, wie es der Natur entspricht, wird später ein charakterlich stabiles, verlässliches Pferd werden. 

 

Die Intelligenz Ihres Pferdes

Ja, wir alle möchten gern besonders intelligente Pferde haben ;) Es ist aber äußerst wichtig für die Harmonie zwischen Ihnen und Ihrem Pferd, dieses realistisch einzuschätzen. Denn die Intelligenz entscheidet auch darüber, wie viel Sie Ihr Pferd fordern müssen, damit es ausgelastet ist, bzw. ab wann Sie Ihr Pferd überfordern und Dinge von ihm verlangen, die es gar nicht leisten kann. 

Die Intelligenz Ihres Pferdes können Sie mit der Eimer-Methode "messen": Hierzu legen Sie etwas sehr Leckeres wie z.B. eine Möhre unter einen Eimer. Wenn Ihr Pferd die Möhre riecht, aber nicht darauf kommt, den Eimer umzustoßen, damit es an die Möhre gelangt, ist es weniger intelligent. Wenn Ihr Pferd den Eimer umstößt und die Möhre frisst, ist es normal intelligent. Wenn Sie dann beginnen, die Möhre unter allem Möglichen zu verstecken, und Ihr Pferd irgendwann anfängt, seine ganze Umgebung nach der Möhre abzusuchen, ist es sehr intelligent. (Der Test funktioniert natürlich nur bei Pferden, die für den ganzen Spaß nicht zu faul sind ;)

Der unterschiedliche Grad an Sensibilität:

Je sensibler ein Pferd ist, desto stärker und umfassender nimmt es wahr: Geräusche, Gerüche, Berührungen, Lob und Tadel, Energie und Körpersprache anderer und so weiter. Diese Pferde reagieren auch sensibler auf jede Art von Veränderung. Je sensibler ein Pferd also ist desto stressiger ist sein Leben. Als Mensch müssen wir also unbedingt wissen, wie sensibel unser Pferd ist, um den Stress abzufangen anstatt ihn noch mehr zu vergrößern. Tun wir das nicht, wird der Stress dem Pferd schaden und sich in Magen- und Verdauungsbeschwerden, Muskelverspannungen, unkontrollierbaren Reaktionen und so weiter manifestieren. 

Den Grad der Sensibilität Ihres Pferdes testen Sie einfach durch "leichtes Erschrecken". Eine plötzliche Bewegung, ein lautes Geräusch usw. Je stärker die Reaktion Ihres Pferdes, desto sensibler ist es. (Aber Vorsicht dabei!)

 

 

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