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Wie wir Pferde auf Silvester vorbereiten können

01.12.2016 - 10:58
von Herdis Hiller
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Wenn wir Menschen freudig das neue Jahr begrüßen, gehen viele Pferde durch eine Geisterbahn. Das Knallen, die flackernden Lichter, der Geruch nach Verbrannten – all das versetzt sie in allerhöchste Alarmbereitschaft. Denn für ein Pferd sind alle diese Dinge potenziell lebensbedrohlich. Der Stresslevel ist also überdurchschnittlich hoch. Darum sollten wir Menschen vorbeugen und dafür sorgen, dass unsere Pferde den Jahreswechsel gut überstehen.

Was wir tun können, um es den Pferden leichter zu machen, habe ich im Folgenden für Euch zusammengefasst.

 

1. Pferde an Silvester draußen oder drinnen lassen?

In solchen Nächten wie diesen stellen wir fest, dass auch im Notfall jede Haltungsform ihre Vor- und Nachteile hat. Bei Offenstall und Weidehaltung können die Pferde Stress durch Bewegung abbauen. Allerdings ist das Risiko auch groß, dass sie durch Zäune gehen und sich verletzen. Hinzu kommt, dass auf freier Fläche die Bedrohung noch größer erscheint, da alle Sinne die Umgebung voll aufnehmen können (das Knallen, das Flackern, den Geruch). Das schlimmste an der Situation ist, dass eine Flucht keine Distanz zwischen das Pferd und die Bedrohung bringt, wie es in der Natur der Fall wäre. Dies kann zu Überforderung, unkontrollierbarer Panik und Traumata führen – je nach Pferdetyp natürlich. Ich empfehle darum: Wer ein sowieso schon eher nervöses, zu Überforderung neigendes Pferd hat, sollte dies Silvester nicht draußen herum laufen lassen. (Natürlich kann man aber auch kein Offenstall-Pferd, das sonst nie im Stall steht, plötzlich und für eine Nacht allein in einen Stall sperren. Wenn dies nötig sein sollte, muss es von langer Hand geplant werden und eine Gewöhnung stattfinden. Außerdem sollten dann alle Pferde zusammen eingestallt werden.)

Der Vorteil des Stalls ist, wenn man diesen komplett schließen kann, dass die beunruhigenden visuellen Eindrücke entfallen. Für Pferde, die den Stall kennen und mit Futter und Entspannung verbinden, ist dies auch immer ein Ort der Sicherheit. Zusätzlich bietet der Stall die Möglichkeit einer Aromatherapie (mehr dazu weiter unten) – draußen verfliegen die Düfte zu schnell. Die Aromen beruhigen das Pferd nicht nur, sondern reduzieren auch die beunruhigenden Gerüche der Umgebung.

Wer das vorher geübt hat, kann auch die akustischen Eindrücke durch Ohrenschützer (ggf mit zusätzlich etwas Watte) minimieren. (Aber auch hier gilt: nicht Silvester plötzlich auf die Idee kommen, sondern vorher so gut geübt haben, dass der Ohrenschützer ein neutrales oder sogar angenehmes Accessoire ist und kein zusätzlich beunruhigendes.)

Natürlich können sich die Pferde auch im Stall verletzen. Da die Anlässe für Panik im Stall aber deutlich geringer sind als draußen, empfehle ich (bei guter Vorbereitung) die Pferde an Silvester drinnen zu lassen.

 

2. Aromatherapie zur Beruhigung

Düfte werden von uns Menschen immer noch stark unterschätzt, was an der Tatsache liegen dürfte, dass unsere Nasen im Vergleich zu denen der meisten Tiere wirklich schlecht sind. Tatsächlich sind Düfte aber der einzige Stoff, der unkontrolliert und auf direktem Wege ins Gehirn gehen kann – und darum sind sie so stark wirksam.

Zur Aromatherapie benötigt man passende ätherische Öle wie Lavendel, Kamille, Ylang Ylang, Passionsblume usw. Und einen Stofffetzen.

Welches Öl das richtige ist, entscheidet immer das Pferd! Um das richtige Öl fürs eigene Pferd herauszufinden, haltet Ihr einfach das geöffnete Fläschchen unter die Nüstern des Pferdes. Das Pferd wendet sich ab: Unpassender Duft! Nicht verwenden! Das Pferd riecht interessiert und versucht „abzubeißen“? Genau richtig! Zwei bis drei Tropfen dieses Öls gebt Ihr nun auf den Stofffetzen und hängt diesen in die Box. Bei einem Laufstall sollte alle Pferdelänge ein solcher Fetzen aufgehängt werden. Wenn Pferde sehr sehr ängstlich und gestresst sind und einen Duft sehr mögen („abbeißen“), dann können auch 1 bis 3 Tropfen auf die Herzgegend getropft werden und einer unter die Nüstern. (Die ätherischen Öle nicht in die Nähe der Augen bringen!)

(Achtung! Ätherische Öle sind für Katzen hochgiftig!)

 

3. Pflanzliche Beruhigungsmittel ohne Sedierungseffekt

Ich rate in den meisten Fällen von einer Sedierung mittels Injektion oder oral verabreichtem Granulat ab, da diese die Körperkontrolle herabsetzt – was gerade ängstlichen Pferden noch viel mehr Angst macht als ohnehin schon.
Dennoch können wir die Pferde beruhigen, und das ganz ohne Kontrollverlust: mit Kräutern. Denn die pflanzlichen Beruhigungsmittel entspannen nur, sedieren aber nicht. Darum reagieren die meisten Pferde sehr gut auf sie. Wichtig ist allerdings, deutlich vor Silvester mit der Fütterung zu beginnen, denn die stärkste Beruhigungspflanze (der Baldrian) benötigt zwei Wochen, bis er seine volle Wirkung erreicht hat. Andere Pflanzen wie zum Beispiel Hopfen, Melisse und Kamille wirken zwar sofort aber deutlich schwächer.

Ich empfehle eine Mischung zu nehmen, da sich in solchen verschiedene Pflanzen perfekt ergänzen und zusammen noch wirksamer sein können. Eine solche beruhigende Mischung bekommt Ihr zum Beispiel hier.

 

4. Das Verhalten des Menschen

Unser Verhalten, unsere Gefühle und unsere Gedanken haben starken Einfluss auf unsere Pferde. Darum ist das beste Mittel, um unsere Pferde garantiert nervös zu machen, wenn wir (innerlich und äußerlich) ein großes Bohei um Silvester machen. Unsere Haltung sollte jene sein: „Silvester? Das ist eine Nacht wie jede andere. Jeder Knall macht uns noch entspannter!“

Mit dieser Haltung können wir dann auch aktiv ein angespanntes Pferd beruhigen, indem wir zum Beispiel soziale Fellpflege betreiben. Wer sein Pferd vorher bereits auf die beruhigende Wirkung des Widerristkraulens trainiert hat (was ich grundsätzlich jedem empfehle!), der besitzt bereits DAS Werkzeug, um aus der Silvesternacht eine Wellnesszeit zu machen.

Ganz wichtig: Wer selbst nervös ist, sollte nicht sprechen (unsere Stimme spiegelt Unsicherheit noch mehr als alles andere), sondern stattdessen neben dem Pferd eine Atemmeditation machen. Diese ist auch für alle anderen eine großartige Möglichkeit, unsere Pferde zu beruhigen. Ich bin immer wieder begeistert, wie irgendwann der Atemrhythmus des Menschen und seines Pferdes eins werden, die Augen zu gehen und sich tiefe Entspannung einstellt.

Weiterhin können wir unser Pferd mittels unserer Gedanken zur Ruhe bringen. Denke: „Oh mein Gott, tu dir nicht weh, sei nicht so wild, beruhig dich doch!“ und Dein Pferd wird noch unruhiger werden. Denke an den Sommerurlaub, die Sonne, den Strand, den Cocktail in deiner Hand und stelle Dir vor, dort zu sein, höre das Plätschern der Wellen… und Dein Pferd wird sich entspannen!

 

5. Bachblüten & Homöopathika

Auch die feinstofflichen Mittel können gegebenenfalls zu einer leichten Beruhigung in der Silvesternacht beitragen - vor allem aber können Bachblüten und Homöopathika die Verarbeitung der beunruhigenden Erlebnisse verbessern. In Sachen Homöopathie macht es Sinn das passende Konstitutionsmittel zu geben, welches von einem klassischen Homöopathen zuvor direkt auf das individuelle Pferd zugeschnitten werden sollte.

In Hinsicht auf Bachblüten könnt Ihr z.B. folgende auswählen:

  • Die Notfall bzw. Rescue Mischung
  • Rock Rose (Thema Panik)
  • Mimulus (Thema Angst vor etwas Konkretem)
  • Aspen (Thema diffuse Angst)

Ich empfehle die Verabreichung in Globuli-Form direkt ins Maul (im Notfall alle halbe Stunde 3 bis 4 oder 3 x am Tag 6 bis 8 Globuli). Bachblüten ohne Alkohol für Tiere und in Globuli-Form bekommt Ihr z.B. hier.

 

 

Ich wünsche Euch und Euren Pferden einen entspannten Jahreswechsel in ein glückliches, erfolgreiches und harmonisches neues Jahr!

 

Eure Herdis!

 

 

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