Blog-Eintrag

Wie Pferde (uns) spiegeln

16.12.2015 - 18:37
von Herdis Hiller
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Manchmal kommen wir irgendwie nicht mit unserem Pferd in Richtung des von uns gesetzten Zieles. Manchmal finden wir uns auch in ständigen Konflikten mit unserem Pferd wieder. 

Dann ist es hilfreich, wenn wir uns bewusst machen, dass unsere Pferde uns spiegeln. 

Pferde (aber alle anderen Säugetiere auch) nehmen unsere Emotionen & unser Verhalten wahr und spiegeln es. Sie erschrecken sich? Fast zeitgleich erschrickt Ihr Pferd auch. Sie sind innerlich unruhig und nervös, haben Probleme den stressigen Alltag hinter sich zu lassen? Zack, wird auch Ihr Pferd hippelig.

Säugetiere verfügen über sogenannte Spiegelneuronen. Sie helfen uns dabei, das Verhalten unseres Gegenübers nachzuahmen. Dieser Prozess verläuft absolut unterbewusst und instinktiv. Und dient dazu, schnelle Reaktionsfähigkeit aber auch Gruppenzusammengehörigkeit und Nähe zu gewährleisten. Denn ohne diese Fähigkeiten, wäre eine Gruppe auch nicht viel sicherer als sich allein durchzuschlagen. 

Hinzu kommt, dass Pferde in besonderem Maße Gemeinschaftswesen sind. Wie Fische auch besitzen sie Schwarminstinkt. Denn für Fluchttiere ist es äußerst wichtig, dass alle gleichzeitig und koordiniert reagieren können, wenn Gefahr droht. Aber nicht nur im Notfall bietet die Gemeinschaft Vorteile. Auch im Alltag können mehr Schultern einfach mehr tragen als zwei. So tragen bis zu einem gewissen Grad die Herdenmitglieder die Last einzelner (z.B. kranker) Pferde mit und verteilen sie so auf mehrere Schultern. 

Das tun Pferde auch mit uns. So entwickeln unsere Pferde manchmal Krankheiten, die den unseren gleichen oder thematisch zum gleichen Gebiet gehören. Vor allem aber übertragen sich unsere Emotionen sehr schnell und sehr deutlich auf unser Pferd. Vielen Menschen fällt das gar nicht auf, weil Sie sich gar nicht darüber bewusst sind, wie sie sich fühlen. Wer aber eine gute Achtsamkeit besitzt und mit seiner Intuition eng verknüpft, der wird schnell sehen, wie stark Pferde unsere Gefühle spiegeln. 

Das ist auch einer der Gründe, warum es in der Verhaltenstherapie unumgänglich ist, auch und vor allem mit dem Menschen zu arbeiten. Wenn wir uns nicht ändern, ändert sich unser Spiegel nicht. Wenn wir gestresst und innerlich unruhig in den Stall kommen, können wir kein bierruhiges Pferd erwarten. Wenn wir wütend sind, müssen wir uns nicht wundern, wenn unser Pferd überschießende Reaktionen zeigt.

Und dann gibt es noch Pferde, die mehr sind als ein Spiegel. Sie sind zusätzlich noch ein Puffer. Diese Wesen tragen eine besonders große Last, von der wir sie befreien sollten. Diese Pferde spüren den Einfluss Ihrer Emotionen ebenso wie andere. Aber sie werfen sie nicht als Spiegel zurück (und werden sie damit wieder los), sondern absorbieren sie. Sie Puffern unsere Emotionen und geben uns in dem Moment das, was wir besonders brauchen - nämlich das Gegenteil dessen, was wir fühlen: Wenn wir nervös sind, werden sie ruhig und überlegt. Wenn wir wütend sind, besänftigen sie. Und wenn wir Angst haben, beschützen Sie uns. 

Das ehrt diese Pferde ungemein und ich ziehe meinen Hut vor ihnen! Aber es ist nicht gut für sie. Denn sie sind jeden Tag komplett überfordert, gestresst und emotional stark belastet. Was wiederum zu großen gesundheitlichen Problemen und/oder starken Verhaltensstörungen führt. 

Ob unser Pferd uns nur spiegelt oder sogar unsere Emotionen puffert: Es ist unser Job für das Wohlergehen des Pferdes zu sorgen und nicht sein Job, uns zu helfen. Helfen müssen wir uns selbst. Und das Tolle ist: wenn wir uns selbst helfen, wenn wir uns um UNS kümmern, tun wir damit gleichzeitig etwas für das Wohlbefinden unseres Pferdes und für das harmonische Miteinander mit unserem Pferd. 

Und so wird unser Pferd zu einer großen Chance der ganz persönlichen Weiterentwicklung!

Ergreifen wir sie! :)

 

 

 

 

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