Blog-Eintrag

Wenn Pferde trauern...

20.11.2016 - 10:14
von Herdis Hiller
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Am vergangenen Totensonntag habe ich über Trauer nachgedacht. Über meine Trauer und die von anderen Menschen, aber vor allem über die Trauer von Pferden. 

Pferde trauern zum Beispiel, wenn sie vor der Zeit von Ihrem Fohlen getrennt werden. Pferde trauern, wenn Sie in einen neuen Stall umziehen müssen, denn die ganze Sicherheit Ihres Umfeldes und Ihre Pferde-Ersatzfamilie sind auf einen Schlag fort. Pferde trauern, wenn sie einen Freund verlieren. Und so weiter. 

Allerdings verstehen es Tiere in der Regel sehr viel besser als wir Menschen mit Trauer umzugehen. Sie drücken ihren Schmerz aus, leben ihn aus und dann lassen sie ihn ziehen. Im Gegensatz zu uns Menschen bewerten Tiere nicht das, was ist. Tod, Trauer, Wut, Angst… all das, was die meisten Menschen zu meiden versuchen, weil wir es negativ belegt haben, gehört zum Pferdeleben ganz selbstverständlich dazu. (In dieser Hinsicht sind Pferde so viel weiser als wir und wir können uns von ihnen eine gehörige Scheibe abschneiden.)

 

Dieses natürliche Verhältnis zu Trauer und der natürliche Umgang mit ihm, kann unseren Pferden allerdings nur gelingen, wenn wir ihnen den Raum hierfür geben. 

Pferde sind Herdentiere, die Gemeinschaft geht ihnen über alles. Darum sind sie immer eng verbunden mit den ihren. Was eine großartige Sache ist, weil sie viel Nähe möglich macht. Was aber für das Pferd auch von großem Nachteil sein kann. Und zwar dann, wenn wir Menschen uns dessen und unserer eigener Gefühle nicht bewusst sind. So kann es passieren, dass wir den natürlichen Trauerprozess unseres Pferdes blockieren. Zum Beispiel indem wir unsere Art, negative Gefühle zu bewerten und zu unterdrücken auf unser Pferd übertragen. Oder, indem wir selbst nicht loslassen, die Trauer nicht fließen lassen. Oder, indem wir mit dem Pferd mitleiden. 

All das führt dazu, dass wir unterbewusst am Schmerz festhalten. Doch wenn wir festhalten und unser Pferd ist eng mit uns verbunden, wie soll es dann selbst loslassen können?

 

Wie wir trauernden Pferden helfen können

 

1. Bei uns selbst anfangen

Wie immer liegt der Schlüssel auch hier wieder zu einem großen Teil bei uns. Versorgen und pflegen wir uns selbst, lernen wir mit Trauer zu leben, sie als natürlichen Teil des Lebens zu akzeptieren, und kümmern wir uns um unseren eigenen Seelenfrieden - helfen wir gleichzeitig unserem Pferd. Fokussieren wir uns allerdings auf seine Trauer und leiden wir mit, blockieren wir den Prozess. (Ich meine damit nicht Mitgefühl! Mitgefühl ist unglaublich wichtig! Aber mit einem Wesen, das leidet, mit fühlen ist etwas ganz anderes als mit zu leiden. Denn, wenn wir das gleiche Leid tragen, wenn wir also beide im Morast stecken, wer soll dann den anderen herausziehen?)

Es ist also kein negativ besetzter „Egoismus“, sich eine Zeit lang zurückzuziehen und seine „Wunden zu lecken“. Es ist das einzig Gute, dass wir für uns, aber auch für unsere Pferde tun können.

Wenn der Schmerz für ein Pferd zu groß wird, kann es traumarisiert werden (selten). Dann ist die Trauer blockiert und scheint nicht mehr zu verschwinden. Auch in diesem Fall ist es unser Job, unserem Pferd zu helfen. Allerdings auch hier wieder, indem wir bei uns selbst anfangen, die eigenen Trauer-Themen an die Oberfläche holen und verarbeiten. Denn dann können wir dem Pferd zeigen, wie es das Trauma loswerden kann. (Holt Euch im Falle eines Traumas unbedingt professionelle Hilfe!)

Wenn wir nicht gelernt haben, mit unserem eigenen Schmerz umzugehen gelernt haben, wird unser Unterbewusstsein durch die Trauer unseres Pferdes an den eigenen verdrängten Schmerz erinnert - und reagiert mit Abwehrmechanismen oder übergroßer Anteilnahme. Beides hilft unserem Pferd nicht. (Ich beobachte oft, dass übermächtiges Mitleid mit Tieren besonders bei den Menschen vorkommt, die ihre eigenen Schmerzen noch nicht verarbeiten haben. Eine klassische Projektion also.)

Ob wir nun mit unseren eigenen Abwehrmechanismen beschäftigt sind oder mit dem übermächtigen Mitleid kämpfen - so oder so sind wir nicht wirklich für unser Pferd da, sondern drehen uns um uns selbst. Und das macht uns schwach und wenig hilfreich. 

Aber: Es ist nicht der Schmerz, der uns schwach macht. Sondern der Versuch, den Schmerz zu vermeiden. 

 

2. Halt geben

In allen Phasen des Lebens, die unser Pferd aus dem Gleichgewicht bringen können, ist es besonders wichtig, dass wir wie ein Anker fungieren. Je mehr aus dem Gleichgewicht unser Pferd ist, desto mehr müssen wir ihm Halt geben. 
Halt geben können wir durch klare Führung. Diese gibt dem Pferd einen Rahmen vor und dieser vermittelt ihm Schutz und Halt.
Halt geben können wir aber auch durch immer wiederkehrende Routinen, gleiche Abläufe, gewohnte Zeiten für gewohnte Dinge. (Es wäre also eher kontraproduktiv, einem trauernden Pferd "eine Pause" zu gönnen von den alltäglichen Pflichten und Gewohnheiten. Statt dessen sollte alles andere ganz genauso weiterlaufen wie bisher.)
Halt geben wir auch, wenn wir unser Pferd vor Übergriffen anderer beschützen - besonders wenn dies geschieht, aufgrund des Verlustes eines Herdenchefs. (In manchen von uns Menschen künstlich geschaffenen "Herden" gibt es gar keinen Ersatz, kein Pferd, welches das Zeug hätte zum Anführer. Dann bringt es mehr Halt und Ruhe, ein neues ranghohes Pferd in die Herde zu integrieren, als die Herde führungslos sich selbst zu überlassen.)

 

3. Licht, Luft & Farben

Frische Luft und viel Sonnenlicht sind für Pferde natürlich immer wichtig. Doch in dunklen Zeiten gewinnen diese Punkte an deutlich mehr Bedeutung. Auch Farben sind nicht zu unterschätzen. Bei Trauer wirken die Farben gelb und grün ausgleichend und stimmungsaufhellend. 

 

4. Pflanzenheilkunde

Die Pflanzenheilkunde kann Pferde wunderbar dabei unterstützen, den Schmerz zu verarbeiten. In Europa ist die Phytotherapie leider inzwischen nur noch auf die körperlichen Ebenen bezogen, doch wir können uns alte Aufzeichnungen unserer Vorfahren zunutze machen, die Seele & Körper noch als eine Einheit betrachtet haben. Weiterhin stellt die Traditionelle Chinesische Medizin großartige Verbindungen her zwischen Emotionen und Organen. All diese Impulse sind in meine „Seelenkräuter“ eingeflossen, die Ihr in meiner Krauterie finden könnt. 

Speziell für trauernde Pferde und ihre Menschen findet Ihr dort meine „Lichtblick“ Mischung

 

5. Aromatherapie

Alle Stoffe, die Einfluss auf uns & unsere Pferde haben, werden von Kontrollmechanismen des Körpers gefiltert, bevor sie „Zutritt bekommen“. Es gibt nur einen einzigen Stoff, bei dem dies nicht so ist: Duftstoffe. Diese haben direkten Zutritt zum Gehirn und wirken darum besonders tiefgreifend und nachhaltig. Darum ist die Aromatherapie eine große Chance, mit der aber auch sehr verantwortungsbewusst umgegangen werden sollte. 

Düfte, die aufheiternd und antidepressiv wirken sind z.B.: Basilikum und Zitrone. (Bitte kauft nur 100 % reine ätherische Öle in Bio Qualität. Andere Qualitätsstufen können verschnitten sein und Kopfschmerzen verursachen.)

Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung: 

Damit wir unserem Pferd mit den Düften wirklich nur Gutes tun, muss der Duft vor der Anwendung vom Pferd getestet werden. Hierzu nehmen wir das ätherische Öl, schrauben das Fläschchen auf und halten es dem Pferd unter die Nüstern. Wendet sich das Pferd nach kurzem Riechen ab, dürft Ihr diesen Duft nicht bei ihm verwenden! Riecht es sehr interessiert und versucht sogar den Duft zu essen? Perfekt! Dann ist es genau der Richtige!

Dennoch sollte das Pferd auch beim richtigen Duft immer die Wahl haben, ob es ihn gerade riechen möchte oder nicht. Gebt ihn darum bitte niemals direkt unter die Nüstern oder auf das Gesicht. (Ätherische Öle können außerdem die Schleimhäute reizen.)

In einem Offenstall oder einer Box könnt Ihr z.B. einen kleinen Stofffetzen aufhängen, auf den Ihr ein paar Tropfen des ätherischen Öls gebt. So kann das Pferd den Duft aufnehmen, wenn es möchte, ist aber nicht dazu gezwungen.

Ein paar ätherische Öle bekommt Ihr in der Krauterie.  

 

6. Abschied nehmen lassen / Seelisch vorbereiten & stabilisieren

Wenn z.B. ein lieber Kumpel gestorben ist, ist es hilfreich, wenn die Pferde die Möglichkeit bekommen, direkt Abschied zu nehmen. Es ist gut, wenn sie die leere Hülle des Kumpels noch einmal sehen und riechen können, damit sie den Übergang begreifen und verarbeiten können. 

Wenn ein Kumpel ausziehen muss, hilft es, mit dem eigenen Pferd (und dem Kumpel) gemeinsam zu meditieren und positive Gedankenbilder zum Umzug zu erschaffen. So sind die Pferde vorbereitet, wissen was passieren wird, sind aber bereits im Voraus seelisch stabilisiert. Das gleiche gilt für Mutterstute und Fohlen, den Umzug des eigenen Pferdes usw. 

 

7. Professionelle Hilfe suchen

Wenn das Pferd in eine posttraumatische Belastungsstörung abrutscht oder depressiv wird, sollte so schnell wie möglich professionelle Hilfe hinzugezogen werden. Das gleiche gilt für den Menschen: Wenn es ihm schwer fällt, mit Trauer umzugehen bzw. diese zuzulassen, kann ein Coach unterstützen, und somit das Leben für Pferd & Mensch leichter machen. 

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Trauer gehört zum Leben dazu! Sie ist eine Seite einer Medaille. Ohne Schmerz gibt es keine Entwicklung und damit auch kein Glück. Ohne Schmerz wüssten wir nicht, dass wir uns selbst schützen und für uns selbst sorgen müssen. Ohne die Wolken, wüssten wir den Sonnenschein gar nicht zu schätzen!

Drum ist die Trauer nichts Schlechtes. Sie ist einfach da. Sie ist ein Teil unseres Lebens und macht uns lebendig. 

 

Von Herzen

Eure Herdis

 

 

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Dieser Artikel ist all jenen gewidmet, die gerade leiden und trauern. Ich wünsche Euch sehr, dass die Sonne bald wieder scheint!

Und auch ich spüre den Schmerz, wenn ich an Dich denke, mein Rocki… obwohl ich weiss, dass Du immer an meiner Seite bist - für immer in meinem Herzen…. ich vermisse Dich sehr! 

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