Blog-Eintrag

Jede Bewegung ist ein Satz

21.01.2017 - 12:43
von Herdis Hiller
(Kommentare: 1)

Unsere Tiere kommunizieren ständig mit uns. Und diese Sprache geht so weit über die klassischen Signale wie Wiehern oder Ohren anlegen hinaus, dass wir Menschen sie oftmals schwer verstehen können. Denn die Sprache der Tiere kann man selten hören. Viel mehr kann man sie sehen und fühlen. Doch wir Menschen sind so sehr auf unser Gehör fixiert, was Kommunikation angeht, dass wir auf den Augen blind sind. 

Wir sind so blind, dass die intelligentesten Tierarten bereits anfangen, unsere Sprache zu lernen: Katzen zum Beispiel passen sich unserer Kommunikation an. Untereinander gibt es bei ihnen kaum eine lauthafte Kommunikation - doch mit uns Menschen werden viele Katzen zu richtigen Plaudertaschen. Sie sind so schlau, dass sie neben ihrer Katzen-Muttersprache die Fremdsprache Mensch gelernt haben. Auch bei domestizierten Pferden scheint mir die Kommunikation über Laute deutlich ausgeprägter als bei wilden Pferden zu sein. (Logisch, denn in freier Natur ist es nicht immer so sinnvoll, lautstark auf sich aufmerksam zu machen.)

Unsere Tiere sind so toll! Sie möchten mit uns reden. Und wenn wir ihre Sprache nicht verstehen, dann lernen sie halt unsere. So sehr möchten sie mit uns sprechen. Dabei ist ihre Sprache gar nicht so kompliziert. Wir müssen nur anfangen, die Tomaten von den Augen zu nehmen ;)

Dafür ist es natürlich wichtig, dass man die Mimik und Körpersprache des Pferdes zu deuten weiß. Doch je länger ich mit diesen und anderen zauberhaften Wesen zu tun habe, desto mehr verstehe ich, dass diese körpersprachlichen Signale, wie sie uns die Verhaltensforschung aufzeigt, nur das kleine ABC sind - die Grundlagen. Tatsächlich ist jede kleinste Fortbewegung eines Tieres ein ganzer Satz! Wir Menschen denken über diese Bewegungen gar nicht nach und meinen nur „Ah, jetzt geht das Pferd eben von A nach B.“ Tatsächlich hat das Pferd aber gerade einen Roman erzählt und wir haben nur Bahnhof verstanden. 

 

Ein Beispiel aus meinem Alltag mit Katzen (weil Katzen sehr sehr deutlich kommunizieren, aber meist in unserem Alltag so nebenbei laufen, dass wir nicht oft genug auf sie achten):

Meinem Kater ging es eine Zeit lang sehr schlecht. Ihm war ständig übel und er hat keine Mahlzeit bei sich behalten. Als ich eines Tages in die Küche ging, sprang er auf die Anrichte, und rieb seinen Kopf an einem kleinen Messbecher, der dort stand. Dabei warf er mir den Messbecher vor die Füße. Bis zu diesem Moment habe ich (ganz Mensch) gedacht: Kater springt von A nach B und reibt sich an C, bis C runter fällt. Das war’s.  Doch als ich den Becher aufhob und feststellte, dass sich darin Reste eines natürlichen Mittels gegen Sodbrennen befanden, machte es bei mir Klick. Mein Kater ist nicht einfach ziellos irgendwo rum gesprungen. Er hat mir gezeigt, was er braucht und wo sein Problem liegt! 

Und ich dachte nur „Oh Mann, sind wir Menschen manchmal blind!“ Fast hätte ich den Becher aufgehoben und wäre weiter gegangen. 

Auch Pferde kommunizieren mit jeder Bewegung!

 

Dein Pferd geht beim Putzen einen Schritt zurück? Es sagt Dir damit: „Hier kratzt es. Kannst Du mal bitte?“

Dein Pferd geht beim Führen einen Schritt vor Dich? Es sagt: „Komm, Püppi, lass Mama mal machen. Ich weiß, worauf wir achten müssen!“ ;)

Dein Pferd geht hinter Dich und stupst Dich mit der Nase an die Schulter? „Da vorne ist was Beunruhigendes. Hast Du das schon gesehen? Was machen wir denn jetzt?“

Dein Pferd steigt Dir auf den großen Zeh? Dann sagt es Dir damit: „Das hier ist mein Platz!"

Und so weiter. 

 

Jede Bewegung nach vorne, zur Seite, nach hinten, lateral, jede Bewegung eines Körperteiles, ja ein Wimpernschlag sind ganze Sätze - manchmal sogar eine ganze Geschichte. 

Es wird uns Menschen immer wieder passieren, dass wir zu sehr in Gedanken sind, und dass wir zu wenig achtsam sind, um alle Sätze unserer Pferde mitzubekommen. Und wir sollten uns deswegen nicht schuldig fühlen. Jeder von uns gibt sein bestes! So wie jedes Pferd sein bestes gibt! Immer! Aber wir dürfen Tag für Tag an unserer Achtsamkeit arbeiten und immer wieder die Tomaten von den Augen nehmen :)

Machen wir Tomatensuppe daraus! :D

 

In diesem Sinne wünsche ich Euch zauberhafte Gespräche mit Euern Pferden und großartige Erkenntnisse! Jeden Tag!

Herzlichst!

 

Eure Herdis

 

 

 

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Ilka |

Liebe Herdis

Das klingt alles so wundervoll in der Theorie, erzählt, beschrieben...aber in der Praxis....das finde ich wahnsinnig schwer, obwohl ich extrem empathisch bin und Gefühle sehr gut wahrnehme...nur...dem Pferd zuhören, es lesen, mit ihm Sprechen...das klingt alles so einfach...aber das wirklich machen...daran hapert es bei mir... es...ich hab noch kein eigenes Pferd und die RB aus zeitlichen Gründen aufgeben müssen...ich versuche ja, den Pferden zuzuhören, aber meistens gerate ich in dieses Vermenschlichen rein...und..ich weiß nicht...wenn das Pferd mir zum Beispiel auf den Fuß steht, muss ich dann nicht eher sagen, "He! Hier ist MEIN Platz, nich deiner!"?

Ich finde es wahnsinnig schwer die Balance zu finden zwischen konsequent sein und Grenzen setzen und gleichzeitig sanft und einfühlsam sein...ich will dem Pferd ja auch nicht wehtun....ich selbst lasse vor allem jungen Pferden, wie meiner ehemaligen RB, viel zu viel durchgehen...was eigentlich nicht in Ordnung ist, wie den Kopf an mir zu reiben, oder wenn es still stehen soll aber den Kopf zu mir dreht, in meinen Raum eindringt...

Was kann ich machen um Pferde noch besser zu verstehen, ausser auf mein Gefühl zu hören?

Liebe Grüße Ilka

Antwort von Herdis Hiller

Liebe Ilka,

ich verstehe Dich sehr gut! Es ist schwer! Die meisten von uns haben gelernt, sich allein auf ihre Ratio und auf Fakten zu verlassen, die sich außerhalb von uns befinden. Das Geheimnis ist: je besser Deine Verbindung zu Dir selbst, zu Deinen Gefühlen, Deiner Intuition (nicht Deinem Kopf) desto besser ist automatisch die Verbindung zum Pferd und desto leichter, das Pferd zu verstehen, ohne eigene Gedanken unter zu mischen oder sich den eigenen Zweifeln oder Ängsten zu beugen.

Ich glaube nicht, dass es Deine Intuition ist, die Dir sagt, dass Du einem jungen Pferd keine Grenzen setzen sollst. Meistens sind die Menschen weniger "bei sich" als sie denken. Und oft handelt es sich um die Angst, vom Pferd nicht mehr geliebt zu werden oder um die Angst, es zu kränken. Diese Angst schnürt die Verbindung zur Intuition ab - darum weiß man dann gar nicht mehr, wie man sich verhalten soll und wo man die Grenze setzen soll. Aber Angst ist auch der Schlüssel zum Erfolg. Sieh Dir diese Ängste mal genau an, konfrontiere Dich mit ihnen und schiebe sie nicht weg. Dann wirst Du den Weg finden, der Dich ans Ziel bringt.

Wenn Dein Pferd Dir auf dem Fuß steht, solltest Du spätestens sagen, dass es sich um Deinen Platz handelt. Wichtiger ist, dass es das bereits vorher weiss und ihr gar nicht erst in eine solche Situation kommt. Aber wenn Deine Zweifel und Ängste fort sind, wird dieses Problem vielleicht sogar von allein verschwinden.

Wenn Du möchtest, lerne Qigong, Reiki, Yoga o.ä. und mach Dich auf die Reise zu Dir  - Du wirst bei den Pferden ankommen.

Ganz liebe Grüße

Herdis

 

Wir verwenden eigene Cookies und Cookies von Drittanbietern aufgrund unseres berechtigten Interesses an zielgerichteter Werbung (Art. 6 Abs. 1 lit f DSGVO). Näheres in unserer Datenschutzerklärung.
Mehr erfahren