Blog-Eintrag

Ein Plädoyer für Demut

16.09.2015 - 22:31
von Herdis Hiller
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Über absolute Wahrheiten, Meinungen und die Wissenschaft

Ich bin überzeugt, von dem, was ich tue und wie es tue. Ich stehe 100 % dahinter und kämpfe für meine Ansichten. Aber dabei sollte mir und uns allen immer bewusst sein, dass alles relativ ist:

Dass es keine absoluten Wahrheiten gibt, dass die Wissenschaft hilfreich aber auch kein Wahrheitsproduzent ist, und dass wir letztendlich nur MIT den Anderen weiter kommen - nicht gegen sie (zumindest, wenn wir wirklich etwas bewirken wollen). 

 

1. Es gibt keine absolute Wahrheit

Wir Menschen sind absolut nicht perfekt. Wir nutzen nur einen kleinen Teil unseres Gehirns. Wir besitzen eine Masse Unterbewusstsein gegen einen verschwindend geringen Anteil Bewusstsein und noch weniger Wissen - das nicht einmal objektiv ist. Denn - was noch dazu kommt - unsere Wahrnehmung folgt unseren Glaubenssätzen; ist also immer subjektiv gefärbt. Und ebenso sind alle unsere Methoden und Ergebnisse subjektiv, egal wie wissenschaftlich sie auch sind. Was uns helfen würde, ist unsere Intuition. Aber sind wir einmal ehrlich: Wie viele Menschen sind wirklich noch stark, was ihre Intuition angeht?

 

2. Es gibt kein „richtig“ und „falsch“

Was für den einen absolut kontraproduktiv sein mag, ist für den anderen genau richtig. Denn wir sind alle Individuen, mit ganz unterschiedlichen individuellen Erfahrungen und Mustern. Das gilt für uns Menschen ebenso wie für alle Tiere. Natürlich gibt es ethische Grundsätze und Gefahren, auf die man immer Rücksicht nehmen muss. Aber darüber hinaus ist fast alles individuell.

 

3. Auch nicht durch die Wissenschaft

Denn auch die Wissenschaft produziert keine Wahrheiten, wie ich in drei Studienrichtungen lernen durfte. Wissenschaft ist nichts anderes als ein menschliches System Thesen aufzustellen und Beispiele dafür oder dagegen zu finden. Das ist alles. Ich finde es wichtig, die wissenschaftlichen Thesen zu kennen, denn dieses System ist zumindest das intellektuell anspruchsvollste, das wir haben. Aber wir sollten nicht dem Aberglauben verfallen, dass die Wissenschaft uns absolute Wahrheiten liefert. 

 

4. Quellenskepsis ist sehr hilfreich

Zum Glück habe ich in der Universität und meinem ersten Beruf dem Journalismus gelernt, dass die Quellen in Sachen Glaubhaftigkeit entscheidend sind. Sich die Fragen zu stellen: Wer hat es geschrieben und was bezweckt er damit - also, wie glaubhaft kann das geschriebene überhaupt sein? Ist das Wissen dieser Quelle hochwertig, oder beruht es nur auf Hörensagen bzw. den Meinungen anderer? Diese gesunde Skepsis kann uns davor bewahren, auf Texte herein zu fallen, die allein dem Zweck dienen, sich finanziell oder psychisch zu bereichern. 

 

5. Wir sind nicht unsere Meinung

Warum verteidigen wir unsere Meinung oftmals so vehement? Weil wir fälschlicherweise annehmen, dass sie definiert, wer wir sind a la „Ich glaube, darum bin ich“. Tatsächlich hat unsere Meinung viel mehr mit unserem Ego, unseren Glaubenssätzen, unserer Erziehung und unseren psychologischen Mustern zu tun als mit unserem eigentlichen ICH. 

Sich bewusst zu machen, dass die eigene Meinung kein Teil des ICHs ist, hilft ungemein dabei, die Meinung anderer wertschätzend stehen lassen zu können. 

 

6. Argumente brauchen offene Ohren

Wir können noch so großartige, wissenschaftlich fundierte, höchst durchdachte Argumente haben, um unsere Meinung zu untermauern… wenn unser Gegenüber seine Ohren dafür verschließt, werden wir nichts ändern können. Seine Meinung aber vehement zu vertreten und zum Gesetz zu erheben, ist der beste Weg, um für geschlossene Ohren bei unserem Gegenüber zu sorgen. 

Wir können nur etwas ändern, wenn wir Menschen mit Wertschätzung begegnen und mit Ihnen zusammen arbeiten, nicht gegen sie.

 

Wenn unsere Meinungen aber keine Wahrheiten sind, woran halten wir uns dann fest? Wie kommen wir zu einem guten Ergebnis?

Ich glaube, indem wir uns immer von unserer Intuition begleiten lassen. Unser Kopf kann irren, unsere Gedanken sind subjektiv gefärbt, aber unsere Intuition kann aufnehmen, was da draußen wirklich vor sich geht. 

Mir persönlich hat die Erkenntnis, dass unsere Meinungen kein Gesetz sind, sehr dabei geholfen, Menschen und Tiere nicht in Schubladen zu stecken, sondern mit jedem Individuum einen eigenen Weg zu suchen. 

 

 

 

 

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